R2c. Spezifische Herausforderungen am Arbeitsplatz für Genesungsbegleiter in der Suchthilfe (Arbeitsgruppe Peer-Begleitung in der Suchthilfe)
Im Krankenhausumfeld
- Notwendigkeit einer hohen hierarchischen Klarheit und regelmäßiger Unterstützung durch das Management.
- Hohes Arbeitstempo, das besondere Wachsamkeit gegenüber dem Risiko von Burnout oder Isolation erfordert.
- Bedeutung einer transparenten Kommunikation und einer formalen Anerkennung der Rolle.
Im Krankenhausumfeld weist die Integration eines Genesungsbegleiters Besonderheiten auf, die besondere Aufmerksamkeit erfordern. Die Komplexität der Organisationen und die Vielzahl der beteiligten Akteure verlangen nach absoluter hierarchischer Klarheit sowie regelmäßiger Unterstützung durch das Management, um die Legitimität und Sicherheit des Genesungsbegleiters zu gewährleisten. Das oft intensive und unvorhersehbare Arbeitstempo erfordert eine erhöhte Wachsamkeit hinsichtlich des Risikos von Erschöpfung oder Isolation, welche die Haltung und das Wohlbefinden des Peers schwächen können. Daher ist es unerlässlich, eine transparente Kommunikation sowohl mit den Teams als auch mit der Leitung zu etablieren, um Aufgaben, Erwartungen und Grenzen zu klären. Ebenso wichtig ist es, den Genesungsbegleitern die Möglichkeit zu bieten, an Teamkolloquien, internen Supervisionen sowie externen Austauschformaten mit anderen Peers teilzunehmen (Supervision und Intervision sind in die Arbeitszeit einzuplanen). Schließlich stellt die formale Anerkennung der Rolle durch konkrete Maßnahmen – wie die Einbindung in Sitzungen, der Zugang zu Informationen und die institutionelle Wertschätzung – einen unverzichtbaren Hebel dar, um das Zugehörigkeitsgefühl zu stärken und den Platz des Genesungsbegleiters in diesem anspruchsvollen Umfeld abzusichern.
In psychosozialen Einrichtungen
- Längere Zeiträume und Möglichkeiten für eine individualisierte Begleitung, aber auch das Risiko einer Überforderung durch zu hohes Engagement
- Fördert eine schrittweise Integration und eine feine Abstimmung der Aufgaben.
- Größerer Handlungsspielraum zur Mitgestaltung der Interventionsmodalitäten bei gleichzeitiger Anpassung an die spezifischen Aufgaben der Struktur.
- Je nach Auftrag der Strukturen ist es unterschiedlich einfach, Genesungsbegleiter einzustellen.
In soziotherapeutischen Einrichtungen profitiert die Integration eines Genesungsbegleiters von einer längerfristigen Zeitstruktur, was eine individualisierte und vertieftere Begleitung der Nutzer ermöglicht. Die durch das strukturelle Teilen des Alltags über einen längeren Zeitraum entstehende Nähe kann jedoch zu Rollenkonfusion führen. Dabei besteht das Risiko eines übermäßigen Engagements seitens des Genesungsbegleiters, was zu Spannungen aufgrund der schwierigen Trennung zwischen Beruflichem und Privatem führen kann.
Dieser weniger starre Rhythmus bietet einen schätzenswerten Handlungsspielraum, um die Interventionsmodalitäten gemeinsam mit den Teams und den Nutzern zu gestalten und die Praktiken eng an den Bedürfnissen vor Ort auszurichten. Diese Flexibilität begünstigt zudem eine schrittweise Integration des Genesungsbegleiters, der sich so seine Rolle sicher aneignen und seine professionelle Haltung sukzessive entwickeln kann.
Die Möglichkeit, die Aufgaben präzise an den Kontext und die institutionelle Dynamik anzupassen, stellt einen wesentlichen Vorteil dar. Dies erlaubt es, die Erfahrungsexpertise des Peers voll auszuschöpfen und seine Komplementarität innerhalb des multidisziplinären Teams zu stärken. Die Interventions- und Leistungsmöglichkeiten des Genesungsbegleiters sind sehr vielfältig und hängen von der Funktionsweise der Institution ab, vom Wohnbereich bis hin zum ambulanten Sektor: Von der individuellen Begleitung über die Leitung von Gruppen- oder Gesprächsangeboten bis hin zur Unterstützung bei der Alltagsbewältigung, der Zimmer- oder Wohnungspflege nehmen Genesungsbegleiter eine ergänzende Funktion ein und sind gleichzeitig Mitglied des sozialpädagogischen Teams. Da sich die Begleitung jedoch auf alle Lebensbereiche der betroffenen Personen erstreckt, ohne dass die institutionelle Organisation alle verschiedenen Begleitungsräume formal einrahmt, kann dies zu einem Mangel an struktureller Orientierung für den Genesungsbegleiter beitragen.
Schließlich gibt es derzeit verschiedene Arten von soziotherapeutischen Strukturen (ambulant, stationär usw.) mit spezifischen Aufträgen und unterschiedlichen Finanzierungsmodellen. Daher ergeben sich Unterschiede im Handlungsspielraum für eine Anstellung je nach Art der Institution. Es ist daher wichtig, sich im Vorfeld über die verschiedenen Möglichkeiten zur Beschäftigung dieser Peers zu informieren.
In Gemeinschaftsstrukturen
- Anforderung an Autonomie und Flexibilität.
- Oft mit prekären Kontexten konfrontiert, was eine verstärkte Begleitung erforderlich macht.
- Wichtigkeit der Prävention von Isolation durch die Planung von Tandems oder eines Peer-Netzwerks.
In Gemeinschaftsstrukturen, wie Organisationen, die auf der Straße mit Nutzern arbeiten, bei aufsuchender Arbeit oder intensiver Begleitung im Lebensumfeld, basiert die Integration eines Genesungsbegleiters auf einer hohen Anforderung an Autonomie und Flexibilität. Diese Kontexte sind oft geprägt von Prekarität, psychischer Dekompensation, starkem Konsum oder sozialen Notlagen und fordern vom Peer eine große Anpassungsfähigkeit, Stressresistenz sowie ein feines Management der eigenen persönlichen und beruflichen Ressourcen.
Diese Realität impliziert die Einrichtung einer verstärkten individuellen und kollektiven Begleitung innerhalb des Teams, um den Peer in seiner Rolle zu unterstützen und Erschöpfung oder dem Gefühl der Isolation vorzubeugen.
Es ist besonders wichtig, diesen Risiken vorzugreifen, indem eine Tandem-Arbeit mit einer anderen Fachkraft vorgesehen wird und die Zugehörigkeit zu einem Peer-Netzwerk gefördert wird. Dies ermöglicht Räume für Austausch, gegenseitige Unterstützung und gemeinsame Reflexion. Diese Dynamik trägt dazu bei, die Haltung des Genesungsbegleiters abzusichern und gleichzeitig sein Engagement sowie sein Gefühl der Nützlichkeit innerhalb der Struktur zu festigen.
Hauptquelle(n)
AG Peer-Begleitung in der Suchthilfe, „Peer-Begleitung in der Suchthilfe – aktuelle Herausforderungen und Chancen (Working Paper)“, Projekt Krankenhaus und Sucht, 2026.
https://hopital-addictions.ch/pair-aidance/
Dieses Merkblatt ergänzt einen Leitfaden zur Peer-Unterstützung in der Suchtarbeit, der im Rahmen des Projekts „Sucht im Spital“ erstellt wurde.
Es ist Teil eines thematischen Ressourcenhefts, das als PDF heruntergeladen werden kann.
Weitere Ressourcenblätter
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- Beitrag zur Peer-Unterstützung
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