R7e. Schlüsselkompetenzen in der Supervision von Peer-Spezialisten (Peer Recovery Center of Excellence 2024)

Schlüsselkompetenz und Rolle des Supervisors

1. Die Rollen und Praktiken von Peers verstehen

  • Programmsupervisoren müssen die Vielfalt der Rollen und Aufgaben von Peers vollständig verstehen, über fundierte Kenntnisse der Schlüsselkompetenzen von Peer-Spezialisten verfügen und die spezifischen Funktionen der Mitglieder ihres Teams verstehen. Supervisoren können mehr über die Grundlagen der Peer-Unterstützung erfahren, indem sie an Grund- und Fortgeschrittenenschulungen für Peer-Spezialisten teilnehmen sowie persönliche oder virtuelle Besuche in operativen Peer-Recovery-Support-Programmen (PRSS) durchführen.

2. Stärkenbasierte Supervision anwenden

  • Stärkenbasierte Supervision ist ein kollaborativer Prozess, der auf den Stärken und Ressourcen des Einzelnen aufbaut, Probleme als Lernmöglichkeiten betrachtet und Möglichkeiten zur Selbsteinschätzung und Rückmeldung bietet. Wie die Peer-Unterstützung selbst muss auch die Supervision von Peers stärkenorientiert, personenzentriert und selbstbestimmt sein.

3. Die Kompetenzen von Peers stärken und entwickeln

  • Die grundlegendste Kompetenz von Peer-Spezialisten ist die gelebte Erfahrung. Zertifizierte Peer-Spezialisten erhalten zudem eine ergänzende Schulung, die ihre Schlüsselkompetenzen weiter entwickelt. Neu eingestellte Peer-Spezialisten benötigen jedoch auch spezialisierte Unterstützung, um ihre Kompetenzen in der Praxis weiterzuentwickeln. Dies kann Inhouse-Schulungen, Einzelunterricht, Coaching, Kurse, Konferenzen, Webinare und andere Fortbildungen umfassen. Supervisoren helfen Peer-Spezialisten dabei, geeignete Lernmöglichkeiten zu identifizieren und persönliche Entwicklungspläne zu strukturieren.

4. Ethische Fragen und Grenzfragen behandeln

  • Programmsupervisoren müssen die spezifischen ethischen Standards der Peer-Unterstützung kennen und die häufigen Probleme verstehen, mit denen Peer-Spezialisten konfrontiert werden. Supervisoren müssen auch den Unterschied zwischen Grenzfragen und ethischen Verstößen erkennen. Die Natur der Peer-Unterstützung bedeutet, dass diese Fragen sehr nuanciert und sehr unterschiedlich von denen anderer klinischer Dienstleister sein können. Supervisoren können Peers dabei helfen, Verhaltenskodizes zu prüfen und sie mittels Rollenspielen und Fallstudien anzuwenden.

5. Peer-Spezialisten in die Entwicklung und Stärkung des PRSS-Programms einbeziehen

  • Programmsupervisoren sind aufgerufen, mit Peer-Spezialisten, anderen wichtigen Mitarbeitern und Partnern zusammenzuarbeiten, um Hindernisse bei der Umsetzung zu identifizieren und Lösungen zu finden. Peer-Spezialisten verfügen häufig über detaillierte Kenntnisse der Erfahrungen von Einzelpersonen (positiv oder negativ) mit einem Programm, einer Organisation oder einem System. Dies kann zur Verbesserung des Programms führen, wenn die Ideen und die Eigeninitiative der Peer-Spezialisten regelmäßig genutzt werden.

6. Eine Recovery-Orientierung fördern

  • Peer-Unterstützung gedeiht in einem auf Recovery ausgerichteten Kontext. Programmsupervisoren spielen eine Rolle bei der Operationalisierung von auf Recovery und Resilienz ausgerichteten Werten innerhalb des Programms und der Organisation. PRSS-Programme sind in Organisationen erfolgreicher, in denen Supervisoren diese Werte in ihrer Arbeit vorleben und sie in Richtlinien, Verfahren und Praktiken integrieren. Supervisoren spielen eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von auf Recovery ausgerichteten und peer-unterstützungsfreundlichen Richtlinien und Verfahren.

7. Organisatorische Systeme, Strukturen und Prozesse klären

  • Programmsupervisoren helfen Peer-Spezialisten dabei, die Richtlinien ihrer eigenen Organisation sowie die Zusammenarbeit mit Partnern in der Gemeinde vollständig zu verstehen, wertzuschätzen und effektiv im Rahmen dieser zu arbeiten. Dies umfasst die Klarheit der Rollen und Aufgaben für Peer-Spezialisten und diejenigen, die mit ihnen arbeiten, die Klarheit der Prozesse zur Vermittlung von Teilnehmern an Peer-Spezialisten sowie die Modalitäten des Engagements vor Ort und außerhalb.

8. Bei der Navigation durch Systeme unterstützen

  • Peer-Spezialisten arbeiten mit vielen verschiedenen Systemen, darunter Verhaltensgesundheit, Gesundheitsversorgung, Gerichte, Strafverfolgungsbehörden, Bewährungshilfe und bedingte Entlassung, Kinderschutz, Sozialdienste und andere. Bei der Unterstützung von Personen mit komplexen Bedürfnissen bei der Navigation durch diese Systeme stehen Peer-Spezialisten vor Herausforderungen im Zusammenhang mit Ressourcenknappheit, langen Wartelisten, Versicherungsproblemen und Stigmatisierung. Supervisoren helfen dem Peer-Personal, die Nuancen der Arbeit mit diesen Systemen zu verstehen, Ressourcenprobleme zu lösen und realistische Ziele aufrechtzuerhalten. Supervisoren können auch die angemessene Nutzung von Gemeinschaftsressourcen teilen und vorleben.

9. Selbstfürsorge (Self-Care) fördern

  • Peer-Spezialisten müssen über gelebte Erfahrung mit Abhängigkeit und Recovery verfügen, und sie müssen ihre Recovery aufrechterhalten, während sie andere unterstützen. Dies erfordert wirksame Selbstfürsorge. Eine unterstützende Supervision hilft dem Peer-Personal, auf geeignete Ressourcen zur Erfüllung ihrer Arbeit zuzugreifen, ihre Zeit zu verwalten und ihre Arbeitsbelastung auszugleichen. Unterstützende Supervision bietet auch förderliche Bedingungen, die Selbstwirksamkeit und Erfolg fördern. Supervisoren können dem Peer-Personal dabei helfen, einen Selbstfürsorgeplan zu entwickeln, um Burnout, Mitgefühlsmüdigkeit, stellvertretendes Trauma und Auslöser für Substanzkonsum zu minimieren (Martin & Jordan, 2017).

10. Für Peer-Unterstützung eintreten

Peer-Unterstützung wird nicht immer vom Nicht-Peer-Personal verstanden, geschätzt oder positiv aufgenommen. Programmsupervisoren setzen sich für PRSS ein und fördern sie innerhalb ihrer Organisation und in den größeren Systemen, in denen Peer-Spezialisten arbeiten. Supervisoren sensibilisieren andere für Peer-Unterstützung, unterstützen bedeutungsvolle Rollen für Peer-Spezialisten, schaffen Möglichkeiten für Spezialisten, mit anderen zu interagieren und ihren Wert zu demonstrieren, und arbeiten mit der Leitung zusammen, um optimale Bedingungen für Peer-Spezialisten zu schaffen.

Hauptquelle(n)

Peer Recovery Center of Excellence. Aufbau organisatorischer Bereitschaft: Ein Toolkit des Peer Recovery Center of Excellence. 2024.
https://www.carsrecovery.org/product-library/building-organizational-readiness-for-peer-recovery-support-services.

Freie Übersetzung (S. 11–13) der AG Peer-Unterstützung bei Suchterkrankungen

Dieses Merkblatt ergänzt einen Leitfaden zur Peer-Unterstützung in der Suchtarbeit, der im Rahmen des Projekts „Sucht im Spital“ erstellt wurde.

Es ist Teil eines thematischen Ressourcenhefts, das als PDF heruntergeladen werden kann.

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